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Unzufriedenheit galore

Hallo, ich bin Jazz und zur Zeit unzufrieden mit dem, was ich tagtäglich sehen und ertragen muss. In erster Linie sind es sogenannte Journalisten, die meinen Kopf zum Rauchen bringen. Wieso das so ist, möchte ich in ein paar Zeilen skizzieren.

In diesem Jahr gab es bereits die ein oder andere demokratische Wahl, so zum Beispiel die Präsidentschaftswahl in den USA oder jetzt am Wochenende erst die NRW Landtagswahl. Und obwohl diese Wahlen nichts miteinander zu tun hatten, sind mir einige Dinge aufgefallen, die gleich waren: die einseitige Berichterstattung.

In diesem Post soll es gar nicht um meine persönliche, politische Meinung gehen sondern vielmehr darum, wie die Journalisten ihre Meinung nicht verbergen können und die Frage, inwiefern ihre subjektive Meinung überhaupt unter dem Deckelmäntelchen der journalistischen Arbeit relevant ist.

Für beide Wahlen wurden Meinungsforschungsinstitute beauftragt, die lange Zeit vor der eigentlichen Abstimmung bereits einen Sieger gekürt hatten. Mit Blick auf Amerika waren sich alle geschlossen einig: Hilary macht das Ding! Darauf basierend wurde Werbung (come on, lasst uns das Kind beim Namen nennen) bzw. Propaganda für Hilary gemacht, bei Trump hingegen reichte es gerade mal für lustige Bildchen, die im Netz kursierten. Hilary wurde mit der erfolgreichen Merkel verglichen, Trump mit Hetzparolen zitiert. Hilary hat Blut an den Händen kleben, doch dazu kein Wort – konnte man schließlich nachweisen, dass Trump davon geredet hat, Menschen töten zu wollen. Da wurden die Worte eines Mannes größer gemacht als die Taten einer Frau. 

Noch mal: es soll hier nicht um meine politische Meinung gehen. Doch wenn man sich anschaut, wie die Medien ihre Arbeit gemacht haben, kann ich als Bürgerin nur sagen, dass ich mich nicht gut informiert gefühlt habe. Nachdem Trump gewonnen hatte, berichtete man beispielsweise immer noch aus dem Hilary-Lager. Wen interessierte das in dem Moment? Wäre es nicht korrekt gewesen, dem neuen Präsidenten zu gratulieren und zu seinem Lager zu schalten, nachdem das amerikanische Volk seinen neuen Präsidenten demokratisch gewählt hatte? Stattdessen hörte man von den Journalisten Sätze wie: “Wir sind schockiert. Niemand hatte mit diesem Ausgang gerechnet!” – falsch. Eure Meinungsforschungsinstitute hatten nicht damit gerechnet und das beweist vor allem eins: die Medien haben den Bezug zum Volk verloren. 

Schauen wir also nach NRW: die AFD wird in den Landtag einziehen, eine Ohrfeige für ebenjene Medien, die “nicht damit gerechnet” hatten. Erneut. Wie kann es nur sein, dass man sich derart vertut? Wochen- und monatelang die Berichtertattung an den tatsächlichen Ereignissen vorbeischrabbte? Wird in den hiesigen Redaktionen überhaupt noch recherchiert oder folgen Journalisten heutzutage bloß ihrem Bauchgefühl? Nach dem Motto: “In meinem Umfeld gibt es ja keinen, der die AFD wählt” oder auch “Wer die AFD wählt, ist dumm.”? Gerade der letzte Satz, oh Menschen, ist so überheblich. Wer wählt, ist in erster Linie ein Bürger, der seine demokratische Pflicht wahrnimmt, auch wenn es mir oder dir nicht passen mag. Aber auch das ist Demokratie! Und sollten Journalisten das nicht besser wissen als ich? 

Journalisten sollten keine Missionare sein – bleibt bei eurem Job, macht ihn vernünftig, berichtet über tatsächliche Ereignisse und beendet damit den Teufelskreis, der vom Begriff “Lügenpresse” ausgeht. Ich für meinen Teil kann mittlerweile zumindest nicht mehr die Medienlandschaft in Schutz nehmen, wenn dieser Begriff fällt. Denn das haben sie sich selbst zu Schulden kommen lassen, wenn sie keine unabhängige Berichterstattung beherrschen. 

Nachrichten – in letzter Zeit wirken sie immer mehr wie scripted Reality. Sie füttern uns nicht mit Informationen, wie es ihr Jobprofil eigentlich voraussetzt, sondern füttern uns mit dem Opium, von dem sie denken, das wir es mögen. Aber wir müssen euch nicht mögen. Wir müssen euch respektieren können, um euch und eurer Arbeit wieder Vertrauen zu schenken. Und indem ihr die AFD nicht unabhängig behandelt, macht ihr sie als Partei nur noch stärker. Blöd gelaufen, nicht? 

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Fichteln 2016 – das Wichteln geht weiter!

Liebe Fichtelfreunde,

kaum zu glauben, dass diese Aktion nun bereits in die 4. Runde geht.

Seit 2013 führt #Fichteln erfolgreich Twitterer zusammen und verteilt damit Liebe quer übers Land – ein bisschen wie Paarship, nur erfolgreicher.

Die Regeln sind wie jedes Jahr gleich, nichts hat sich geändert.
Hier erfahrt ihr nun die diesjährigen Teilnahmebedingungen, die Regeln entnehmt ihr bitte diesem Blogpost von 2015. Ob wir dieses Jahr allerdings wieder Spenden sammeln, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest.

 

Daten, Zahlen, Fakten

Um up to date zu sein, solltet ihr auf Twitter dem Account @Fichteln folgen. Dort und unter dem Hashtag #Fichteln könnt ihr euch informieren und vor allem untereinander austauschen.

Wie immer könnt ihr euch ganz einfach mit einer Mail anmelden.
Dafür schickt ihr mir eine Nachricht an fichtelfreunde@gmail.com und nennt mir dabei euren Twitternamen, euren vollständigen Klarnamen und eure aktuelle Adresse. Fertig ist die Anmeldung! Du wirst keine Eingangsbestätigung oder ähnliches erhalten. Ist die Mail da, bist du bereits angemeldet.

Anmeldefrist ist Sonntag, der 27. November. Ausgelost wird die Tage darauf.
Deinen Fichtel erhältst du in der 1. Dezemberwoche zugewiesen und zwar via DM, also auf Twitter. Voraussetzung für die Anmeldung ist wie jedes Jahr, dass dein Account öffentlich und damit nicht geschützt ist.
Accounts, die für die Anmeldung ihren Account öffentlich zugänglich machen und danach wieder schützen, werden aus dem Lostopf entfernt.

Fragen, Anregungen und was euch noch so einfällt gerne hier in die Kommentare schreiben, damit es alle sehen können, oder unter dem eben genannten Hashtag stellen. Fragen per DM werden zwar auch beantwortet, doch wurde die letzten Jahre deutlich, dass sich die Fragen wiederholen – sie öffentlich zu stellen ist daher für alle Teilnehmer praktischer.

Auf ein fröhliches Fichtelfest,

Eure Jazz

#Fichteln geht in die 3. Runde – Yippieh!

Einmal im Jahr, wenn die Kälte sich über die Felder legt und das Licht der Dunkelheit weicht, werde ich zur Fichtelfee und verteile mit meinen Fichtelfreunden Liebe über das Land. Und jetzt ist es endlich so weit, Yippieh!

*[Für alle, die es besonders eilig haben, findet sich am Ende dieses Textes eine Zusammenfassung für die diesjährige Anmeldung beim Fichteln. Alle anderen sind herzlich eingeladen, sich den ganzen Text durchzulesen und der Vorfreude freien Lauf zu lassen.] Continue reading #Fichteln geht in die 3. Runde – Yippieh!

Paris – und ich kann nichts tun

Und was tut man, wenn man nichts ausrichten kann? Man schreibt. Und zwar über Menschen wie wir, über Mitgefühl und Liebe.

Der Schock über die gertigen Ereignisse liegt mir noch schwer im Magen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie die Menschen in Paris am heutigen Samstag, nach dieser Horrornacht, weiterleben. Wie sie geradeaus atmen können, ohne dass sich ihre Kehle zuschnürt. Wir in Deutschland, direkte Nachbarn, konnten heute Nacht kaum schlafen. Gedanken schwirrten durch unsere Köpfe, unsicher darüber, was für Bilder unsere Augen vernommen hatten. War das echt? Kein Spielfilm? Kein Scherz? Nein. Es war echt. Es ist jetzt unsere Realität.

Mein Mitgefühl geht raus an alle Pariser, alle Franzosen, alle Europäer und allen anderen Menschen auf dieser großen, weiten Welt. Wir sind eins. Wir, die an den Frieden glauben und an eine Welt, in der jeder selbstbestimmt sein Leben leben darf. Wir glauben an die Freiheit, die unsere Vorfahren uns gebracht haben, für die sie tmit ihrem Leben gekämpft haben. Wir Europäer, so sehr wir keinen direkten Bezug zum 2. WK haben, wir wissen, wie das Böse aussieht, das Menschen aufgrund ihrer Religion, ihrer Hautfarbe und ihrer körperlichen Beschaffenheit diskriminiert, gefangen nimmt und tötet. Wir haben daraus gelernt. Haben wir?

Selbstjustiz ist nicht die Lösung. Niemand von uns hat das Recht, einem anderen Menschen die Schuld zuzuweisen. Erst recht nicht aufgrund seiner Herkunft. Wer Selbstjustiz ausübt ist nicht besser als andere Terroristen. Es liegt nicht an euch, weder an mir noch an dir, über das Leben eines anderen Menschen zu bestimmen. Sonst sind wir nicht besser. Sonst sind wir nicht frei.

Unsere Freiheit besteht darin, für unsere Rechte zu kämpfen. Gemeinsam. Mit einem kühlen Kopf. Nicht von Kurzschlussemotionen geleitet. Wir werden die Toten nicht zurückholen können, aber wir können dafür sorgen, dass keine Toten hinzu kommen. Keine unschuldigen Menschen, die ihr Leben für eine Ideologie lassen müssen, die einige wenige Menschen als richtig ansehen.

Ich bestimme über mein Leben. Ich und Gott. Das ist die Aussage einer echten Christen. Eines echten, religiösen Menschen: Gott gibt und Gott nimmt das Leben. Niemand sonst hat das Recht, Schöpfer zu spielen und über Leben und Tod zu entscheiden. Wir sind die wahren Anhänger der Religion. Ganz egal, wie wir diese Religion auch benennen.

Als Mensch bin ich bestürzt darüber, wie fehlgeleitete Einzelpersonen unter der falschen Flagge Gottes Terror verüben. Ihr macht mich krank. Wie Hitler damals und teilweise auch heute das Bild eines ganzen Volkes manipuliert hat, so wird hier die Religion instrumentalisiert, um Schlechtes zu tun. Hitler war nicht Deutschland, Religion ist nicht Krieg.

Was wir jetzt tun können

Jetzt können wir nur füreinander da sein. Und für eine bessere Zukunft kämpfen, und sei es mit Worten. Worte, die zeigen, dass wir noch stehen und uns weder unsere Kultur, noch unsere Traditionen kampflos wegnehmen lassen. Wir leben in einem friedlichen Europa; ein Europa, für das unserer Vorfahren gekämpft haben, damit wir, du und ich, heute in Freiheit leben können. Niemand von ihnen kämpfte umsonst, starb umsonst. Zu unserer Tradition und Kultur in Europa gehört auch die Religion. Lasst nicht zu, dass verirrte und verwirrte Menschen uns unsere alte Kultur kaputt machen, weil sie etwas instrumentalisieren, das zu uns gehört wie die Demokratie.

Hetze ist nicht die Lösung. Anstatt gegenseitig mit dem Finger auf andere zu zeigen, weil uns dies oder jedes nicht passt (wie verwöhnt wir sind), sollten wir füreinander da sein. Nicht gegeneinander. Gerade jetzt ist es umso wichtiger, dass ein Zusammenhalt entsteht. Dass man sich geschlossen dem Terror stellt. Wir sind viele und wir werden nicht zulassen, dass unsere Heimat, unser zu Hause von Ideologien verschluckt wird, die uns ferner und fremder nicht sein könnten.

Wir haben neue Nachbarn aufgenommen und sind noch dabei. Menschen, in deren Heimat genau diese Art von Terror tagtäglich stattfindet. Es ist nicht das Volk, es sind nicht die Flüchtlinge, die dieser terroristischen Ideologie nachgehen. Diese Menschen sind wie wir, sie fliehen vor diesem Irrsinn. Diesem bewaffneten Irrsinn auf zwei Beinen.

Lasst uns gute Menschen sein. Lasst uns diese Menschen sein, denen wir selbst begegnen möchten, wenn wir Hilfe benötigen. Lasst uns zusammenhalten und den Irren die Stirn bieten. Lasst uns diese Menschen, die Zuflucht bei uns suchen, beschützen, indem wir uns selbst beschützen. Zusammen sind wir stark und zusammen können wir uns die Welt schaffen, die wir uns wünschen. Wir dürfen nur nicht zulassen, dass Hass lauter wird als Liebe, dass Parolen lauter werden als Hilfe, dass Instrumentalisierung verbreitet wird, wo Fakten stehen sollten.

Ein Gebet kann die Welt vielleicht nicht ändern, aber es kann uns alle für einen Moment näher zusammenbringen. Und dafür bete ich.

Vorratsdatenspeicherung, WM2006 und andere Aufreger…

…die mich null berühren. Aber wieso? Hier ein kurzes Statement.

Seitdem der Journalismus zu einem Vehikel verkappt wurde, deren Aufgabe es nur noch ist, Werbung an den Mann zu bringen, kann ich so ziemlich jeden und alles nicht mehr ernst nehmen. Im Fall der VDS bringe ich gerade mal ein müdes Schulterzucken zustande. Continue reading Vorratsdatenspeicherung, WM2006 und andere Aufreger…

Hass ist so 2015

Liebe Wutbürger und Gutmenschen,

wir haben uns heute hier versammelt, um über das Thema Hass zu sprechen.
Wir leben gerade in einem aufgewühlten Europa, das von Hilfesuchenden Menschen heim-gesucht wird.
Wieso “Heim-gesucht”? Weil diese Menschen ein Heim suchen; ein sicheres zu Hause, da es in ihrem eigenen Land Kriege und Gegenkriege gibt und ganze Familien ausgelöscht werden, wenn sie zB nicht der “richtigen” Religion angehören. Was für uns nichtige Argumente sind, um einen Menschen zu jagen, gilt in deren Heimatländern momentan zum Alltag. Was ich hier fast schon euphemistisch als “momentan” bezeichne, ist faktisch betrachtet falsch, da es diese Auseinandersetzungen nunmehr seit Monaten und Jahren gibt. Continue reading Hass ist so 2015

Brief an einen Flüchtling

Lieber Mensch,                                                                                                                      [DE]

ich kenne Dein Geschlecht, Dein Alter und Deine politische sowie religiöse Ausrichtung nicht. Doch ich kenne die Umstände, die Dich aus Deinem Land vertrieben haben. Ich kenne Deine Geschichte.
Ich kenne sie nicht aus eigener Erfahrung, denn ich lebe in Europa, wo seit Jahrzehnten kein Krieg auf den Straßen herrscht. Ich kann mir nur eine grobe Vorstellung davon machen, was Du in den letzten Wochen, Monaten und Jahren deines Lebens durchmachen musstest, und dabei stehen mir die Nackenhaare schon zu Berge.

Ich hoffe sehr, dass Du, wenn Du das liest, bereits in Sicherheit bist. Und noch mehr hoffe ich, dass Du Dich nicht von rassistischen Parolen ängstigen lässt, die nicht so kluge Inländer von sich geben, die Deine Geschichte nicht kennen und nicht verstehen.

Ich möchte Dich willkommen heißen, wo auch immer Du gerade bist.
Halte Dir stets vor Augen, wie viel Du schon geschafft hast – wie stark Du bist!
Ich glaube ganz fest an ein friedliches Zusammenleben und an eine gute Nachbarschaft: Ich bin immer für Dich da.

Du findest mich in jedem lächelnden Gesicht auf der Straße und in jeder Hand, die Dir gereicht wird; ich bin Mutter, Vater und Kind; ich bin ein Streuner; ich bin Mensch.
Du sollst wissen, dass ich in der Überzahl bin und nicht diejenigen, die gegen Dich sind. Also ruf mich, wenn Du Dich alleine fühlst, Du Angst hast und Dich nach einer Schulter zum Anlehnen sehnst.
Ich bin nur ein Mensch. Aber ein Mensch, der das Glück hatte, in ein friedliches Europa hineingeboren zu werden. Und dieses Glück möchte ich mit Dir teilen, weil es nicht mir allein gehört und weil wir eins sind: Wir sind Mensch.

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Letter to a refugee                                                                                                                [EN]

Dearest you, you glorious human you,

I don’t know if you’re a man or a woman. I have no idea how old you are nor do I know what God, if any, you pray to. I haven’t the faintest idea what your political orientation is. There are, however, a few things I do know about you. I know, for example, what drove you out of your home and your country and I understand that look on your face.

These things I know, not because of personal experience, for I live in the safety and comfort of a Europe where war on the streets is a thing of the past and I can only imagine what horrors you’ve gone through during the last weeks, months and years of your life.

I sincerely hope that by the time you read this that you are safe. I hope that you feel safe. Should you stumble upon the racist, hurtful and stupid rantings of a few local idiots – do not be afraid, for they are only a few and they do not know nor understand your story and they do not know your face.

I want to welcome you to here – whether here may be. You’ve made it, well done – how amazing and strong you’ve been and become. I just wanted to tell you that I, at least, believe in a world where we can live peacefully together in a community that is safe and happy, and that I’ll always be here for you should you need my help.

You’ll find me in every smiling face on the street and in every hand held out so that it can hold yours. I’m a mother, father and a I’m a child. I’m a drifter. I’m a human being. I wanted to tell you that it’s people like me that surround you and not those who are against you so call out to me when you feel scared and alone and need somebody to lean on.

I’m just a simple person. But I’m someone who was lucky enough to be born here in Europe and I want to share that good fortune with you because it doesn’t belong to me alone. We are one. We are human. Welcome.

[Danke an @MarcusJHBrown für die Übersetzung!]

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Lettera per un Rifugiato                                                                                                      [IT]

Caro essere umano,

Non conosco il tuo sesso, la tua età , né il tuo orientamento politico/religioso. Nonostante tutto, conosco bene le motivazioni che ti hanno allontanato dalla tua terra.
Conosco la tua storia. La conosco pur non avendola vissuta in prima persona. Vivo in Europa dove da decenni ormai, la guerra non é più per le strade .
Posso solo vagamente immagginare quello che hai dovuto sopportare negli ultimi anni, negli ultimi mesi, nelle ultime settimane della tua vita e solo al pensiero rabbrividisco fino al collo.

Mi auguro che durante la lettura di questa lettera tu sia giá al sicuro, ancor di piú mi auguro che uno come te non si lasci intimidire da parole razziste pronunciate da persone poco intelligenti, ignare della tua storia e per questo incapaci di capire.

Desidero darti il Benvenuto, il benvenuto ovunque tu sia.
Non dimenticare mai tutto ciò che hai raggiunto – SEI forte!
Credo fortemente in un pacifico vivere insieme ai buoni vicini. Ed io, per te, ci saró sempre.

Mi troverai in ogni viso sorridente per le strade, in ogni mano che ti verrá tesa.
Sono Mamma, Padre e figlio, sono un randagio; sono un essere umano.
Io sono la maggioranza e non appartengo a quelli che sono contro di te.
Per questo allora, chiamami quando ti senti solo, se hai paura o semplicemente se avessi bisogno di una spalla a cui appoggiarti.

Sono solo un Essere umano, ma un essere umano che ha avuto la fortuna di nascere nella pacifica Europa. Questa felicitá non appertiene solo a me e voglio condividerla con te: Siamo tutti esseri umani.

[Danke an meine Mamma für die Übersetzung und an Luca Lagona für die Korrektur!]

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Lettre à un refugié                                                                                                                              [FR]               

Cher être humain,

je ne connais pas ton sexe, ton âge, ton opinion politique où religieuse. Mais je connais les circonstances qui t’ont chassé de ton propre pays. Je connais ton histoire.

Je ne les connais pas de mon propre expérience car je vis en Europe où il n’avait pas eu de guerre pendant des dizaines d’années. Je ne peux qu’imaginer ce que tu as vécu pendant les derniers semaines, mois et ans – et j’ai les cheveux qui se dressent sur la tête.

J’espère que tu te trouves en sécurité quand tu lis ces mots. Et j’espère de plus que les paroles racistes ne te font pas peur, des paroles qui viennent des gens pas très intelligentes qui ne connaissent pas ton histoire.

Je te souhaite la bienvenue, n’importe où tu es en ce moment. Rappelle-toi tout ce que tu as réussi – et que tu es une personne forte! Je crois à une coexistence pacifique et à un bon voisinage. Je suis là pour toi.

Tu me trouves dans les sourires que tu vois dans la rue et dans les mais qu’on t’offre. Je suis un père, une mère et un enfant. Je suis un sans-abri. Je suis un être humain. Tu dois savoir que je suis la majorité et pas ceux qui t’opposent. Donc, appelle-moi quand tu te sens seul, quand tu as peur, quand tu cherches un moment de repos.

Je ne suis qu’un être humain. Mais j’ai eu de la chance d’être né dans un Europe paisible. Je veux partager cette chance avec toi, parce qu’elle n’est pas à moi et parce qu’on est égal: Nous sommes tous des être humains.

[Danke an @zeemzee für die Übersetzung!]

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Carta a un refugiado                                                                                                             [ES]

Querido humano:

No conozco tu sexo, tu edad ni tampoco tu orientación religiosa. Sin embargo conozco las circunstancias que te han echado de tu país. Conozco tu historia.
No la conozco de mi propia experiencia, porque yo vivo en Europa, donde desde hace años ya no hay guerra en la calle. Solo puedo hacerme una idea vaga de lo que tú has tenido que sufrir durante las últimas semanas, meses y años de tu vida. Y tan solo eso me pone los pelos de punta.

Espero de todo mi corazón que ya estés a salvo cuando leas estas líneas. Y, más todavía, espero que no te dejes asustar por los tópicos racistas que sueltan algunas personas no muy inteligentes que viven aquí y no conocen o no comprenden tu historia.

Quiero darte la bienvenida allá donde estés en este momento.
¡Ten en cuenta todo lo que ya has conseguido y lo fuerte que eres!
Yo creo con toda mi alma que es posible vivir todos en paz y que podamos compartir nuestras vidas: Yo estaré siempre aquí para ti.

Me encontrarás en cada cara sonriente en la calle y en cada persona que te ofrece una mano; soy madre, padre, hijo e hija; soy vagabundo; soy humano. Quiero que sepas que yo soy la mayoría y no aquellos que están contra ti. Así que: Llámame si te encuentras solo, si tienes miedo y si necesitas un hombro para apoyarte.

No soy nada más que un ser humano. Sin embargo yo he tenido la buena suerte de haber nacido en una Europa pacífica. Y quiero compartir esta buena suerte contigo, porque no me pertenece solo a mí y porque somos uno: somos humanos.

[Danke an @NadalencaE für die Übersetzung!]

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Pismo za izbjeglicu                                                                                                                   [HR]

Dragi čovječe,

ja ne poznajem tvoj spol, tvoju starost i tvoja politička i vjerska uvjerenja. Ali poznajem okolnosti koje su te protjerale iz tvoje zemlje. Poznajem tvoju priču.
Ne poznajem je iz svog iskustva, jer ja živim u Europi, gdje već nekoliko desetljeća ne vlada rat na ulicama. Teško mi je pretpostaviti što si u zadnjim tjednima, mjesecima i godinama svog života morao pretrpjeti. Naježim se kada pomislim na to.

Ja se nadam da si na sigurnom kada ovo čitaš. I dalje se nadam, da se nećeš dati uplašiti od rasističkih parola, koje izjave nekulturni građani. Oni tvoju situaciju ne poznaju niti je mogu shvatiti.

Želim ti dobrodošlicu, gdje god bio.
Budi svjestan što si već sve uspio i koliko si moćan!
Vjerujem čvrsto u složan zajednički život i u dobro susjedstvo: Ja ću uvijek biti uz tebe.

Naći ćeš me u svakom osmijehu na ulici i u svakoj ruci što ti se pruži. Ja sam otac, majka i dijete, ja sam skitnica, ja sam ljudsko biće.
Znaj – ja sam množina, a ne oni malograđani koji su protiv tebe.
Pozovi me u vrijeme samoće, straha i kad poželiš podršku.

Ja sam samo čovjek. Čovjek koji je imao sreće roditi se u složnoj i mirnoj Europi.
Tu sreću želim podijeliti s tobom, jer mi spadamo svi pod jedan naziv, a to je ljudsko biće.

[Danke an @ivoindahouse für die Übersetzung, an Diana und Marijana für die Korrektur!]

#50facts – was ihr nie über mich wissen wolltet

Seit längerem grassiert auf Twitter der Hashtag #50facts und macht, dass man diverse Fakten über sein Leben verrät. Interessant dabei ist im Wesentlichen, dass man sich durch das Zusammenführen diverser Fakten selbst reflektiert. Daher schreibe ich über meine Fakten.

Fakt 1-10 – Jazz und Essen

1. Ich trinke jeden morgen Espresso, noch bevor irgendetwas anderes passiert
2. Ich hasse es zu frühstücken, quäle mich morgens aber dazu
3. Brunch hingegen mag ich sehr
4. Pasta dominiert in diesem Haushalt, nebst Espresso
5. Menschen, die pingelig mit Essen umgehen, kann ich nicht verstehen
6. Im Sommer ist frischer Fisch nicht wegzudenken, am liebsten fangfrisch
7. Harte Liebe für Tonic Water mit Zitronenscheibe und Eiswürfel
8. Ich trinke so gut wie nie Alkohol
9. Rezepte kenne ich nur vom Hörensagen
10. was nicht schmeckt, wird in 1-2 Jahren noch mal probiert

Fakt 11-20 – Jazz und das Tierreich

11. Schon immer haben meine Haustiere Fantasienamen von mir verpasst bekommen [Puffel, Zuma, Kuffa u.v.m.]
12. Seitdem mein Hundi im Alter von 14 Jahren eingeschläfert werden musste, kann ich kein neues Haustier halten
13. Als ich zwei war mussten 2 Goldfische sterben, weil ich es mit der Fütterung zu gut meinte (italienische Gene, ehh)
14. Mit 6 versuchte ich mal eine Qualle am Meeresufer mit bloßen Händen zu retten
15. Am Strand sammele ich gerne Echsen und lasse sie dann wieder laufen
16. Ich habe nichts gegen Insekten, aber wenn sie mir entgegen fliegen, laufe ich keifend davon
17. Mücken sind die Ausgeburt der Hölle
18. Vor Marienkäfer laufe ich weg, weil sie Kindersegen vorhersagen sollen
19. Hausspinnen dürfen bei mir wohnen, sterben aber bei dem Versuch meinem Bett zu nahe zu kommen
20. Wäre ich ein Vogel, so würde ich nur hüpfen, weil ich Höhenangst habe

Fakt 21-30 – Jazz und die Schule

21. Ich habe selten mit Bestnoten geglänzt
22. Lernen wollte ich stets, was mich interessiert und nicht, was die Lehrer interessiert
23. In der Oberstufe hätte ich eine Medaille fürs Blaumachen erhalten sollen
24. Das deutsche Schulsystem hätte mich fast meine Zukunft gekostet
25. Die Schulzeit war die Beste
26. Alles, was ich in der Schule gelernt habe, sind gesellschaftliche Konventionen
27. Ich war auf einer erzkatholischen Mädchenschule
28. Meine Lieblingslehrerin war eine Nonne mit dem Herz am rechten Fleck
29. Ich liebe bis heute den Gong, der den Schulschluss einleitet
30. Die Sommerferien waren mir stets zu lang

Fakt 31-40 – Jazz und die Gefühle

31. Ich rede nicht gerne über meine Gefühle
32. Menschen, die öffentlich über ihre tiefsten Gefühle sprechen, machen mich stutzig
33. Melancholie ist das Gefühl, das ich am besten kenne
34. Extreme Gefühle sind mir bekannt
35. Liebe äußert sich nicht durch Worte
36. Ich verliebe mich nicht schnell
37. Weltschmerz ist etwas, was mich mit anderen, emphatischen Menschen verbindet
38. Am liebsten würde ich ganz allein die Welt retten
39. Meine Träume bringen oft Licht im Gefühlswirrwarr des Alltags
40. Jetzt hab ich doch darüber gesprochen

Fakt 41-50 – Jazz und das Universum

41. Ich glaube, dass wir alle eins sind
42. Dass die Antwort auf alles “42” sein soll, halte ich für eine Fehlinterpretation
43. Gott, Mutter Natur, das Universum – für mich dasselbe in grün
44. Mein Mutterschiff ist rund und leuchtet lila
45. Alte Seelen gibt es wirklich
46. Ich liebe Dokumentationen über das All, doch machen mir diese oft Angst
47. Mir machen oft Dinge Angst, die ich nicht komplett greifen/verstehen kann
48. Die Endlichkeit des Lebens erleichtert mich
49. Tod ist Leben
50. Wissenschaften, die (noch) keine sind, faszinieren mich besonders

So. Das waren meine #50facts und abschließend kann ich sagen, dass ich (obwohl ich die Fakten runtergerasselt habe) mich selbst etwas besser kennengelernt habe. Ganz egal, ob man eine solche Liste nun veröffentlicht oder für sich behält: Jeder sollte mal seine ganz persönlichen Fakten niederschreiben und diese vielleicht in 5 Jahren einer aktualisierten Liste gegenüberstellen. Die Überschriften habe ich spontan eingeführt, um mich mental von der breiten Masse an Themen abzugrenzen und kann das ebenfalls weiterempfehlen.

Und dafür, dass es sich um #50facts handelt, die Du nie von mir wissen wolltest, hast Du verdammt weit gelesen – schon gemerkt?

Ciao, Jazz

MeinungsfrHAHAHAeiheit!

Nach »Je suis Charlie« fordert jeder, unter dem Deckmäntelchen der Meinungsfreiheit, alles sagen und tun zu dürfen, was ihm beliebt. Denn wir leben in einer Demokratie, in einem freien Land! Das klingt erstmal freiheitsliebend, weltoffen und modern.

Nun komme ich aber nicht drumrum mich in dem Zusammenhang zu fragen, was Meinungsfreiheit überhaupt bedeutet. Doch bevor ich eine Antwort darauf finden kann, publiziert das mittlerweile weltbekannte Satiremagazin Charlie Hebdo die neuste Ausgabe mit einer *surprise* Mohammed-Karikatur auf dem Titelblatt. Ist das schon Meinungsfreiheit?

Die Mohammed-Karikatur – wofür?
»Man wird doch wohl noch zeichnen dürfen..«, werden jetzt einige äußern. Und grundsätzlich denke ich dazu: »ja, das darf man. Man darf sogar richtig provokant zeichnen, bis der Stift glüht, wenn sich dahinter eine Botschaft verbirgt.«
Aber seien wir mal ehrlich: diese Karikatur ist pure Provokation, dahinter versteckt sich keine aufklärerische Botschaft, nein, auch keine, die auf Missstände oder ähnliches aufmerksam macht. Es tritt bloß eine gesamte Religions- und Kulturgemeinschaft in den Allerwertesten. Aus Spaß. Weil sie es kann. Mehrwert? Null.

Respekt – geht um Respekt?
Grundsätzlich, und das ist die herrschende Meinung, stört man sich daran, wenn Begriffe wie »Spasti« oder »Neger« als Schimpfwort verwendet werden, selbst als Witz. Nicht lustig. Aber wieso? »Man wird doch wohl noch sagen dürfen..«, oder nicht? Es zieht Minderheiten durch den Kakao, es ist rassistisch! Natürlich darf man das nicht sagen. Oder eben doch, aber dann ist man eben ein Vollarsch. Und naja, da sehe ich keinen Unterschied zu den Anängern der Meinungsfreiheit 2.0, die eben alles sagen wollen dürfen. Und wenn es verletzt? Dann, weil sie es können. Das scheint genug Grund zu sein, um alles zu legitimieren.

Meinungsfreiheit ist ebendieses Recht alles sagen zu dürfen ohne alles zu sagen; weil man Andere respektiert. Wenn aber wirklich alles so selbstverständlich wäre, bräuchte unsere Gesellschaft gar keine Gesetze, da klar sein sollte, dass man niemanden umbringen sollte, geschweige denn darf. Aber so einfach ist der Mensch nicht. Wir brauchen Gesetze und noch dringender brauchen wir Rechte: das Recht auf Meinungsfreiheit. Das Recht auf Respekt. Wir brauchen beides.

Rechte und Gesetzte – der Blasphemieparagraph
Wir haben bereits festgestellt, dass der Mensch Gesetze braucht. Ansonsten kämen einige bestimmt auf die Idee einen Mord zu begehen und anschließend zu sagen: »Aber Herr Richter! Ich wusste nicht, dass man das nicht darf.« Wenn ich mir nun sicher wäre, dass alle Menschen den nötigen Respekt hätten, um zu wissen, dass man nicht gegen ein Jesuskreuz pinkelt, würde ich diesen Blasphemie-§ wahrscheinlich auch für überholt halten. Aber ich wiederhole: »Herr Richter! Wo steht geschrieben, dass man das nicht darf?« Wenn ein Mensch mit Vorsatz einem anderen (körperlich oder seelisch) Leid zufügt, gehört das bestraft. Ansonsten sollten wir gleich das Gespräch eröffnen, ob Mobbing tatsächlich schlimm ist oder ob man das auch mit einem Augenzwinkern abtun sollte. Doch selbst, wenn man das Leid nicht sieht, so ist es doch da.

Ansonsten wäre totale Meinungsfreiheit auch in der Schülerzeitung eine Karikatur von deiner Mutter abzubilden, über die die ganze Schule lacht. Satire darf schließlich alles.

Wenn Satire ALLES darf – wieso gibt es dann keine unnötige Karikatur über die Anschläge auf Charlie Hebdo? Eine mögliche Antwort: weil es viele Menschen verletzen und beleidigen würde. Weil es schlicht unnötig, sinnfrei wäre. Weil es nicht witzig ist. Davon ausgehend ziehe ich das Fazit, dass Satire eben nicht alles darf.

Vielleicht, und das wäre noch das traurigste Fazit, darf Satire ja doch alles. Solange sie mich nicht trifft.. Ist es das?

»Wie kannst du dich nur gegen “Je suis Charlie” stellen, dich dagegen äußern?« – weil es mir nicht gefällt, welche Wege diese Anschläge in Paris gerade einschlagen. Die Anschläge waren furchtbar, der Terror ist grausam, Extremisten sind böse. Und apropos Extreme:
Pegida, AfD und NPD – sie alle nutzen diesen Terror, um Angst zu schüren. Auch sie wollen die totale Meinungsfreiheit, denn »man wird ja wohl noch sagen dürfen..« Und wenn sie mal nicht alles sagen wollen, dann heißt es eben: »Ich habe zwar nichts gegen Flüchtlinge oder Ausländer an sich, aber..«

So ganz scheint sich die Welt also nicht einig zu sein, für wen genau diese absolute Meinungsfreiheit gelten soll. Hmm, ganz schön tückisch, dieses ALLES und dieser JEDER.

Bloß eine weitere Meinung zu #Hebdo

Seit gestern überschlagen sich die Meinungen zu Charlie Hebdo und diesem unmenschlichen Irrsinn – zurecht. Das hier soll nicht eine weitere Auseinandersetzung mit dem Geschehen an sich sein, sondern eine Meinung zu den Stimmen, die im Internet und den klassischen Medien kursieren. In erster Linie handelt es sich natürlich um eine subjektive Meinung, nämlich um meine.

Ich bin Jazz, Ende 20 und Christin. Et je ne suis pas Charlie Hebdo.
Nicht, weil es mich kalt lässt, wenn Menschen umgebracht werden, sondern weil ich nie viel von dieser Art der Karikatur hielt. Vielleicht, weil ich selbst an Gott glaube, vielleicht, weil ich darin auch immer die Intention sah die Auflage zu steigern, indem man besonders respektlos alles durch den Kakao zieht, was den Mainstream zum klatschen bringt.

Würde ich deswegen Amok laufen? Nein. Werde ich deswegen auf den Mainstram-Zug aufspringen und jedem den Tod wünschen, der nicht meiner Meinung ist? Nein. Auch das ist Meinungsfreiheit; etwas nicht zu tolerieren, was gerade groß propagiert wird.

Ich bin nicht Charlie Hebdo. Ich bin aber auch keine Terroristin. Ich habe eine differenzierte Meinung zu den Geschehnissen und störe mich schrecklich an dem, was jetzt daraus gemacht wird. »Die Hebdo Redakteure starben, um zu..« – das bezweifele ich. Ich bezweifele, dass nur einer von ihnen sein Leben opfern wollte, um auf irgendeinen Missstand aufmerksam zu machen. Ich für meinen Teil, und so ehrlich wollen wir doch sein, wäre nicht bereit mein Leben für irgendetwas zu lassen. Egoistisch? Vielleicht. Ehrlich? Durchaus.

@rock_galore schrieb gestern einen treffenden Tweet zur Instrumentalisierung:
“Da sterben 12 Leute und es dauert keine 5 Stunden und AfD und Pegida gehen mit Toten auf Stimmenfang. Was für widerliche Menschen.“ – ja, das ist widerlich.

Nicht weniger widerlich ist es, wenn nun wieder der Zeigefinger auf alle Religionen gerichtet wird. Religion propagiert, wenn sie schon was propagiert, Nächstenliebe und andere Werte, die unser Leben auf Erden absichern sollen. »Du sollst nicht töten«, so nämlich. Und Gläubige, egal welcher Religion, vertreten den Grundsatz: »Gott gibt das Leben und Gott nimmt es«, denn nach unseren Grundsätzen liegt es an ihm allein in das Leben einzugreifen, weswegen ich grundsätzlich die Augen rolle, wenn Politiker unter der Flagge des Christentums Werbung für die Todesstrafe machen. Dass das nicht Hand in Hand geht, weiß der treue Christ / Jude / Moslem / Hindu.

Meinungsfreiheit – Gott sei Dank! Das gilt für uns alle, auch für mich.

Nicht alles, was abgedruckt wird, entspricht der Wahrheit. Eine Karikatur will Aufmerksamkeit und polarisieren, indem sie genau das darstellt, was sich niemand trauen würde in Worte zu packen. Gerne erinnere ich mich an das Titanic-Titelblatt zurück, als Bushido Vater wurde. Auch ich gehörte zu jenen, die lachten und auch ein bisschen Fremdscham ob der Wortwahl empfanden. Aber damit hatte jemand das auf Papier gebracht, was sich sonst niemand laut auszusprechen wagte. Ein großer Fan bin ich dennoch nicht, denn natürlich sollte mit dem Titelblatt auch ordentlich Geld gemacht werden. Denn umso mehr sowas polarisiert, desto eher wird das Blättchen verkauft. Also bitte ich an dieser Stelle um einen kleinen Perspektivenwechsel: Satire hat nicht die Aufklärung der Gesellschaft im Sinn. Nicht, wenn mit dieser Aufklärung Geld verdient werden will. Was ich hier ZB schreibe, kann nicht zu Geld gemacht werden; allein, weil in der jetzigen Zeit niemand bereit wäre Geld für etwas auszugeben, was nicht die breite Meinung wiedergibt. Zeitungen hatten nie den Anspruch nur zu informieren; Zeitungen informieren, um Geld zu machen. Oder wie käme die BILD sonst regelmäßig zu den dümmsten Schlagzeilen der Nation? Fakt ist: die breite Masse liebt diese Schlagzeilen und ist bereit, dafür ihr Geld auszugeben. Fühlen sich die Anderen durch die BILD aber wirklich informiert, geschweige den aufgeklärt? Kchkch.
ET GEHT UMS JELD!

Die Schlagzeilen – machen die Zeitungen die Schlagzeilen oder die Schlagzeilen die Zeitung? Ich persönlich beobachte im Moment ehrlich gesagt Letzteres.
Wer in den letzten Wochen das Thema Pegida verfolgt hat, wird bemerkt haben, dass die meisten Tageszeitungen die Schlagzeilen so polarisierend wie nur möglich wählten. Einige mögen gedacht haben: “Hach! Das spricht mir so aus der Seele! Toll, wie Zeitung XY sich solidarisch zeigt und hach!“ – ich kann unmöglich die Einzige sein, die dachte: “Bah! Jetzt schüren diese Deppen mit einer fetten Überschrift weiter die Ängste der Bevölkerung und schubsen sie in die Arme von rassistischen Volldeppen!“

Jetzt wird eben #Hebdo dafür instrumentalisiert, um weiter auf den weltfeindlichen Islam aufmerksam zu machen. Uuuuuh, böser Islam, pfui!
Ihr spinnt doch. Verzeihung für diese direkten Worte, aber das wurde vor einigen Jahrzehnten erst mit den Juden abgezogen. Und könnte man nicht gegen eine Religion angehen, so würde man gegen eine Nationalität angehen. Frage: wieso können wir rassistische Kackscheiße sofort erkennen, wenn es zB um »die Deutschen« geht, aber religiöse Kackscheiße nicht auch als Rassismus abtun? Wieso schreit der Einzelne immer »Ich bin mehr als eine Schublade!« und schubst Andere dann in eine solche? Was stimmt denn nicht mit uns?

Appell: haltet die Augen offen; kritisches Denken ist gerade so sehr gefordert, wie schon lange nicht mehr. Europa befindet sich in einer Zeit, die die Weichen für die Zukunft legt. Wir, jeder Einzelne von uns, sind dafür verantwortlich, zu welchem Ziel diese Weichen führen werden.

Ich wünsche mir ein Europa, das wieder an seine Werte glaubt und Religion gehört nunmal zu unserer Kultur. Vor wenigen Wochen feierten wir erst Weihnachten – selbst derjenige, der nicht an Gott glaubt, wird die Tradition gefeiert haben. Religion ist nicht böse, sowie eine Nationalität nicht böse ist. Der Einzelne ist es, der Mensch an sich. Und dieser Mensch wird immer eine Flagge finden, mit der er in den Krieg ziehen kann, um mit diesem Symbolismus weitere Einzelne auf seine Seite zu ziehen. Wenn wir uns davon einnehmen lassen, so sind wir nicht bereit selbstständig nachzudenken. Und das im Jahre 2015. Seufz.

Durch Pegida kennen wir doch die Zahlen, die Fakten: im Schnitt müsste jeder von uns mindestens einen Moslem kennen. Hat dieser Mensch dir jemals etwas getan? Hat dieser Mensch es verdient, für Dinge verantwortlich gemacht zu werden, die jemand fälschlicherweise in seinem Namen verbrochen hat? Der Deutsche will doch auch nicht als Nazi beschimpft werden, weil ein Mensch mal den zweiten Weltkrieg unter der deutschen Flagge angezettelt hat. Der Italiener will auch nicht als Mafioso beschimpft werden, weil dieser Missstand in seinem Land herrscht. Denn wir sind mehr als eine Schublade!
Ich wünsche mir Differenzierung, Klarsicht, Zusammenhalt. Aber nicht blind; nicht, weil man in diese Richtung geschubst wird, weil alle in diese Richtung laufen.

Denkt nach: seid ihr Charlie Hebdo?
Beantwortet diese Frage für euch selbst. Nicht, weil es gerade angesagt ist dazu zu gehören, sondern weil ihr daran glaubt. Denn man kann an so vieles glauben, wenn man dahinter steht, nicht nur an Gott.