Paris – und ich kann nichts tun

Und was tut man, wenn man nichts ausrichten kann? Man schreibt. Und zwar über Menschen wie wir, über Mitgefühl und Liebe.

Der Schock über die gertigen Ereignisse liegt mir noch schwer im Magen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie die Menschen in Paris am heutigen Samstag, nach dieser Horrornacht, weiterleben. Wie sie geradeaus atmen können, ohne dass sich ihre Kehle zuschnürt. Wir in Deutschland, direkte Nachbarn, konnten heute Nacht kaum schlafen. Gedanken schwirrten durch unsere Köpfe, unsicher darüber, was für Bilder unsere Augen vernommen hatten. War das echt? Kein Spielfilm? Kein Scherz? Nein. Es war echt. Es ist jetzt unsere Realität.

Mein Mitgefühl geht raus an alle Pariser, alle Franzosen, alle Europäer und allen anderen Menschen auf dieser großen, weiten Welt. Wir sind eins. Wir, die an den Frieden glauben und an eine Welt, in der jeder selbstbestimmt sein Leben leben darf. Wir glauben an die Freiheit, die unsere Vorfahren uns gebracht haben, für die sie tmit ihrem Leben gekämpft haben. Wir Europäer, so sehr wir keinen direkten Bezug zum 2. WK haben, wir wissen, wie das Böse aussieht, das Menschen aufgrund ihrer Religion, ihrer Hautfarbe und ihrer körperlichen Beschaffenheit diskriminiert, gefangen nimmt und tötet. Wir haben daraus gelernt. Haben wir?

Selbstjustiz ist nicht die Lösung. Niemand von uns hat das Recht, einem anderen Menschen die Schuld zuzuweisen. Erst recht nicht aufgrund seiner Herkunft. Wer Selbstjustiz ausübt ist nicht besser als andere Terroristen. Es liegt nicht an euch, weder an mir noch an dir, über das Leben eines anderen Menschen zu bestimmen. Sonst sind wir nicht besser. Sonst sind wir nicht frei.

Unsere Freiheit besteht darin, für unsere Rechte zu kämpfen. Gemeinsam. Mit einem kühlen Kopf. Nicht von Kurzschlussemotionen geleitet. Wir werden die Toten nicht zurückholen können, aber wir können dafür sorgen, dass keine Toten hinzu kommen. Keine unschuldigen Menschen, die ihr Leben für eine Ideologie lassen müssen, die einige wenige Menschen als richtig ansehen.

Ich bestimme über mein Leben. Ich und Gott. Das ist die Aussage einer echten Christen. Eines echten, religiösen Menschen: Gott gibt und Gott nimmt das Leben. Niemand sonst hat das Recht, Schöpfer zu spielen und über Leben und Tod zu entscheiden. Wir sind die wahren Anhänger der Religion. Ganz egal, wie wir diese Religion auch benennen.

Als Mensch bin ich bestürzt darüber, wie fehlgeleitete Einzelpersonen unter der falschen Flagge Gottes Terror verüben. Ihr macht mich krank. Wie Hitler damals und teilweise auch heute das Bild eines ganzen Volkes manipuliert hat, so wird hier die Religion instrumentalisiert, um Schlechtes zu tun. Hitler war nicht Deutschland, Religion ist nicht Krieg.

Was wir jetzt tun können

Jetzt können wir nur füreinander da sein. Und für eine bessere Zukunft kämpfen, und sei es mit Worten. Worte, die zeigen, dass wir noch stehen und uns weder unsere Kultur, noch unsere Traditionen kampflos wegnehmen lassen. Wir leben in einem friedlichen Europa; ein Europa, für das unserer Vorfahren gekämpft haben, damit wir, du und ich, heute in Freiheit leben können. Niemand von ihnen kämpfte umsonst, starb umsonst. Zu unserer Tradition und Kultur in Europa gehört auch die Religion. Lasst nicht zu, dass verirrte und verwirrte Menschen uns unsere alte Kultur kaputt machen, weil sie etwas instrumentalisieren, das zu uns gehört wie die Demokratie.

Hetze ist nicht die Lösung. Anstatt gegenseitig mit dem Finger auf andere zu zeigen, weil uns dies oder jedes nicht passt (wie verwöhnt wir sind), sollten wir füreinander da sein. Nicht gegeneinander. Gerade jetzt ist es umso wichtiger, dass ein Zusammenhalt entsteht. Dass man sich geschlossen dem Terror stellt. Wir sind viele und wir werden nicht zulassen, dass unsere Heimat, unser zu Hause von Ideologien verschluckt wird, die uns ferner und fremder nicht sein könnten.

Wir haben neue Nachbarn aufgenommen und sind noch dabei. Menschen, in deren Heimat genau diese Art von Terror tagtäglich stattfindet. Es ist nicht das Volk, es sind nicht die Flüchtlinge, die dieser terroristischen Ideologie nachgehen. Diese Menschen sind wie wir, sie fliehen vor diesem Irrsinn. Diesem bewaffneten Irrsinn auf zwei Beinen.

Lasst uns gute Menschen sein. Lasst uns diese Menschen sein, denen wir selbst begegnen möchten, wenn wir Hilfe benötigen. Lasst uns zusammenhalten und den Irren die Stirn bieten. Lasst uns diese Menschen, die Zuflucht bei uns suchen, beschützen, indem wir uns selbst beschützen. Zusammen sind wir stark und zusammen können wir uns die Welt schaffen, die wir uns wünschen. Wir dürfen nur nicht zulassen, dass Hass lauter wird als Liebe, dass Parolen lauter werden als Hilfe, dass Instrumentalisierung verbreitet wird, wo Fakten stehen sollten.

Ein Gebet kann die Welt vielleicht nicht ändern, aber es kann uns alle für einen Moment näher zusammenbringen. Und dafür bete ich.

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One thought on “Paris – und ich kann nichts tun

  1. Reblogged this on ickemich and commented:
    “Lasst uns gute Menschen sein. Lasst uns diese Menschen sein, denen wir selbst begegnen möchten, wenn wir Hilfe benötigen. Lasst uns zusammenhalten und den Irren die Stirn bieten.”

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