Unter dem Hashtag #Aufschrei wurde letzte Woche auf Twitter eine hitzige Debatte zum Thema Sexismus ins rollen gebracht und ihr, die diesen Text gerade lest, habt sie mitbekommen und euch dafür interessiert. Sonst wärt ihr vermutlich gerade nicht hier.

Dass dieses Thema mich nach wie vor beschäftigt und mir keine Ruhe mehr lässt, ist u.a. daran zu erkennen, dass ich diesen Blog erstellt habe, um über die 140-Zeichen Grenze hinaus meine Meinung darzulegen:

Mir ist es wichtig, erstmal die Definition zum Begriff ‘Sexismus’ anzugeben, denn ich werde das Gefühl nicht los, dass Viele immer noch nicht begriffen haben, worum es überhaupt geht. Nicht zuletzt anhand unqualifizierter Wortmeldungen zu dem Thema kann man schließlich seit Tagen beobachten, wie alle aneinander vorbei reden. Vermutlich fehlt uns lediglich ein gemeinsamer Nenner in Form einer Definition, denn ich kann und will mir nicht vorstellen, dass diese Meinungen auf begründetem Wissen basieren.

Unter Sexismus versteht man die soziale Konstruktion von sexuellen Unterschieden zwischen Menschen und die daraus abgeleiteten Normen und Handlungsweisen. Der Sexismus unterteilt alle Menschen anhand ihrer biologischen Geschlechtsmerkmale in Frauen und Männer, unterstellt ihnen damit eine grundlegende Unterschiedlichkeit und weist ihnen auf dieser Basis unterschiedliche Rechte und Pflichten zu. Der Begriff ist eine aus dem Englischen kommende Parallelbildung zu racism (Rassismus), die als sexism in der US-amerikanischen Frauenbewegung der 1960er Jahre geprägt wurde und sich lange ausschließlich auf die Diskriminierung bzw. Unterdrückung von Mädchen und Frauen bezog.“ (Wikipedia, 31.01.2013)

Nach dieser Definition halte ich fest: Es wird anhand der Geschlechtsmerkmale des Einzelnen bestimmt, welche Rechte und Pflichten ein Mensch hat. An dieser Stelle möchte ich kurz auf die Menschenrechte hinweisen, die die Gleichberechtigung eines jeden Menschen fordern.

Weiter lehnt sich dieser Begriff an den des Rassismus an und solltet ihr diesen befürworten, bitte ich euch, diesen Artikel nicht weiter zu lesen.. Dann ist schon alles bei euch verloren.

Jetzt, nach der Definition des Begriffs, dürfte für Jeden feststehen, dass Sexismus sich gegen die Grund- und Menschenrechte richtet. Mehr Beweisführung bedarf es in meinen Augen nicht, um darauf aufmerksam zu machen, dass hier Redebedarf besteht, wenn das noch nicht überall angekommen ist.

Was mich nervt: Ja, auch ich bin von dem Thema zunehmend genervt. Nicht, weil ich es als nicht wichtig genug empfinde, sondern weil ich es leid bin, dass man Vergleiche anstellt, die nicht weiter vom eigentlichen Thema entfernt sein könnten.

Wer den Bachelor schaut, braucht schon mal gar nicht aufschreien!“ – so oder so ähnlich war die Meinung eines bestimmt sehr kultivierten Mannes. Dem möchte ich genau so kultiviert entgegenbringen: Wenn man eine Prostituierte fragt, wie viel sie für eine Stunde nimmt, so ist das mehr als in Ordnung. Denn es ist ihr Job, den sie sich im besten Fall selbst ausgesucht hat. Nur weil es in diesem Zusammenhang ok ist, heißt es nicht, dass man das jede Frau fragen kann, „weil die Eine ja auch nichts dagegen hat“ oder „die Eine das gewollt hat“. [Es stimmt mich traurig, solche Selbstverständlichkeiten eines gesunden Menschenverstandes überhaupt ansprechen zu müssen..]

Komplimente und Flirts haben ebenfalls nichts, aber auch rein gar nichts in diesem Kontext verloren. [Das sollte doch eigentlich jeder wissen.. Schade, dass nicht] Außer, man versteht unter einem Kompliment oder Flirt, dass man das Autofenster runterkurbelt und mit einer schnellen Zunge schmierige Anzüglichkeiten feiert. Das ist kein Kompliment.. Aber dann müsste ich jetzt nochmal kurz bei Adam und Eva ansetzen und die Zeit haben wir alle nicht. [Aber hey, es gibt Bücher zu dem Thema. Toi toi toi.]

Weiter: „In Afrika verhungern Kinder! Das ist viel mehr ein Aufschrei wert!“ – Ja, alle Missstände der Gesellschaft sind einen Aufstand wert und jeder kämpft für die Dinge, die ihm wichtig erscheinen. Auch diesem Tweet könnte ich unqualifiziert entgegnen: „Kinderarmut herrscht auch in Deutschland! Lasst uns erstmal im eigenen Land anfangen!“, aber das wäre falsch, obwohl diese Aussage inhaltlich korrekt ist. Ich könnte nie einem Menschen vorwerfen, sich ‘für das Falsche stark zu machen’. Stattdessen möchte ich jedem auf die Schulter klopfen, der überhaupt irgendetwas macht, um diese Welt zu verbessern und seinen Mund öffnet, um auf Missstände aufmerksam zu machen. [Denn ein Täter kann sich auch darin begründen, ein Leid zu erkennen und die Augen davor zu verschliessen..]

Dadurch wird sich die Welt auch nicht ändern!“ – Auch dieser Tweet schien mir sehr durchdacht und dem Kopf eines Weisen entsprungen zu sein, der sich und die gesamte Welt schon aufgegeben hat. Nur weil Einer es macht, muss ich aber noch lange nichts aufgeben.. Und selbst, wenn ich die Welt nicht verändern oder gar verbessern kann; Ich habe es versucht und werde es weiterhin tun. Denn ich habe eine Meinung und bin bereit, diese zu vertreten. Am wichtigsten erscheint mir jedoch, dass das Thema zum nachdenken angeregt hat. Und wenn jeder Mensch, Mann wie Frau, dadurch begriffen hat, dass es uns an Respekt für unser Gegenüber fehlt, ist ein großer und wichtiger Schritt bereits gemacht worden. 

Abschließend möchte ich einen weiteren Punkt ansprechen, der in meinen Augen von vielen Menschen verkannt wird: Ja, Sexismus betrifft beide Geschlechter. Und nein, bei Männern ist es nicht weniger wichtig, weil es prozentuell seltener vorkommt. [Gruselige Argumentation]

Hierbei verweise ich sowohl auf die Jauch Talkrunde, wie auch auf die SternTv Sendung bei denen explizit über die Ausübung von Macht gesprochen wurde und darüber, dass sich Sexismus in den Machtverhältnissen begründet. Eine Frau kann heutzutage auch eine höhergestellte Position einnehmen und ihre Mitarbeiter verbal klein halten. Das ist Sexismus. Eine Frau, die ihren Kollegen mit ‘Jungchen’ anspricht, versucht ebenfalls Diesen klein zu halten und zu degradieren. Ein Mann kann natürlich darunter leiden, wenn ihm verbal seine Männlichkeit abgesprochen wird, sowie es einer Frau schmerzt, wenn sie lediglich als Objekt wahrgenommen wird. Hierbei erkenne ich persönlich keinerlei Unterschied und verweise weiterhin auf die Gleichstellung der Geschlechter. [Wie kann man nur den Männern dieses Problem absprechen und damit genau das tun, was man in dieser Debatte anprangert..]

Das war sie; meine Meinung. Schnell herunter getippt und manchmal etwas zynisch im Ton.

Das war sie; meine Meinung zum Sexismus – Einem geschlechterübergreifendem Thema, das schon längst aus den Feminismusschuhen herausgewachsen ist. 

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One thought on “Bloß eine weitere Meinung zum Thema Aufschrei

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